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Am 9. Juni
empfangen ABC, NBC und CBS ein Fernschreiben: Elvis gibt um vier Uhr nachmittags
eine Pressekonferenz im New York Hilton. Sekunden später fällt die
Entscheidung, sie live zu senden. Das ist außergewöhnlich, weil es sonst nur
bei wichtigen Mitteilungen des Präsidenten geschieht. Einige Stunden später
herrscht im Mercury Ballroom ein fürchterliches Gedränge. Jeder Fotograf will
ganz vorn stehen, jeder Reporter den besten Platz erorbern. Und mitten im Getümmel
Colonel Parker, autoritär wie immer. Er verteilt Taschenkalender und
Kugelschreiber mit dem Aufdruck "Elvis-Now-72-Now-RCA". Die Fotografen
dirigiert er wie eine Herde Schafe und schiebt die Hartnäckigen mit seinem
Spazierstock zurück. Geraldo Riviera von ABC ärgert sich über das Schild
"The New York Hilton", das die Kameraleute stört, aber Parker ist
unerbittlich. Das Schild bleibt, oder es gibt keine Pressekonferenz. Dann ist es
so weit, Vernon Presley wird der Presse vorgestellt, und... "Mr. Presley
hat einen Freund, der gleichen kommen wird". Elvis tritt ein. Die typische
kühle Atmosphäre im Saal schlägt sogleich um. Die Journalisten applaudieren
sofort, noch ehe Elvis etwas sagen kann. Dann kommen die Fragen:
Elvis, warum haben
Sie mit Ihrem Auftritt im Madison Square Garden so lange gewartet?
"Ich glaube, das Problem war, das Gebäude zu bekommen, das richtige Gebäude.
Wir mussten warten, bis wir an der Reihe waren."
"Fünfzehn Jahre lang?"
"Fünfzehn Jahre konnten wir es nicht kriegen! (lacht) Nein, das nicht,
aber wir mussten schon warten, bis wir dran waren."
"Warum sind Sie als einziger Künstler der Fünfziger- und Sechzigerjahre
übrig geblieben?"
"Ich nehme Vitamin E. (Gelächter im Saal) Nein, ich weiß es nicht.
(Murmelt) Das macht mich verlegen. Ich liebe einfach meine Arbeit, ich liebe
das, was ich mache."

"Was halten Sie von Ihrem Image des schüchternen, einfachen Jungen vom
flachen Land?"
"Ich weiß nicht, warum die Leute das denken, immerhin trage ich diesen
Gürtel..." (Er steht auf und zeigt einen massiven, goldenen Gürtel mit
eingelegten Diamanten. Gelächer im Saal).
"Früher waren Sie scharf auf langes Haar und wildem Benehmen auf der Bühne.
Wie denken Sie heute darüber?"
"Soll das ein Witz sein? Mann, ich war zahm im Vergleich zu dem, was sie
heute tun. (lacht) Ich habe mich nur ein bisschen geschüttelt."
"Wie finden Sie das Verhalten der heutigen Popmusiker, verglichen mit dem,
was Sie früher taten?"
"Ich möchte hier nicht kritisieren. Es ist Platz für jeden. Ich hasse
es, andere Künstler zu kritisieren."
"Sind Sie mit dem Image zufrieden, das Sie aufgebaut haben?"
"Nun, das Image ist das eine, der Mensch das andere."
"Wie nahe kommen Sie Ihrem Image?"
"Es ist schwierig, ein Image wahr zu machen."
"Sie sind siebenunddreißig. Was halten Sie von der Behauptung, wer über
dreißig ist, habe ausgedient?"
"Das hängt davon ab, was Sie meinen. (lacht) Ich glaube, das ist ein
Irrtum."
"Welches Publikum besucht heutzutage Ihre Shows?"
"Es ist gemischt - ältere Leute, junge Leute und sehr junge. Das ist
sehr schön."
"Warum haben Sie wieder begonnen, aufzutreten?"
"Ich habe es einfach vermisst. Mir fehlte der Kontakt mit lebendigem
Publikum, darum fing ich an, wieder aufzutreten, sobald ich meine Filmverträge
erfüllt hatte."

"Gehen Sie weiter auf Tournee?"
"Ich hoffe es. Es gibt so viele Orte, an denen ich noch nie war. Ich bin
noch nie in New York aufgetreten, und ich war noch nie in England."
"Haben Sie Pläne, nach England zu gehen?"
"Ich würde es gern tun, wirklich. Ich möchte auch nach Europa und
Japan gehen. Ich war noch nie im Ausland, außer während meines
Wehrdienstes."
"Was halten Sie von den Demonstrationen gegen den Krieg? Würden Sie heute
den Militärdienst verweigern?"
"Schätzchen, ich möchte meine Meinung dazu lieber für mich behalten.
Ich bin Entertainer und antworte lieber nicht darauf."
"Sollen andere Entertainer ihre Meinung ebenfalls für sich behalten?"
"Nein."
"Warum filmen oder schreiben Sie keine Autobiografie?"
"Ich glaube nicht, dass die Zeit reif dafür ist. Vielleicht mache ich
es eines Tages, aber jetzt noch nicht."
"Gehen Sie vielleicht in die Politik?"
"Nein, ich habe keinerlei politische Ambitionen."
"Wie steht es mit der Schauspielerei?"
"O ja, das würde ich gern tun, sofern ich das richtige Drehbuch finde.
Wir sind übrigens auf der Suche. Sie fragen doch nach einer nicht musikalischen
Rolle? Ja, das würde ich gern tun."
"Warum singen Sie keinen harten Rock'n Roll mehr wie früher?"
"Es ist sehr schwierig, solche Lieder zu finden. Es ist heutzutage für
uns alle sehr schwierig, gutes Material zu bekommen. Wenn ich es finde, singe
ich es, wirklich!"
"Was vermissen sie aus den Fünfzigerjahren am meisten?"
"Ich vermisse wenig. Ich habe mich amüsiert, und ich amüsiere mich
auch jetzt noch - sogar mehr. Ich glaube, wir haben uns in den letzten fünfzehn
Jahren verbessert."
"Auch musikalisch?"
"Das meine ich. Als Musiker und Sänger. Ich glaube schon, dass ich
heute besser bin."
"Sie haben erwähnt, wie knapp gute Songs sind. Vor kurzem gab es in
Nashville einen Prozess. Die National Songwriters Association verklagte eine große
Plattenfirma, weil sie keine echte Chance bekommt. Haben die unabhängigen
Songschreiber Ihrer Meinung nach eine echte Chance?"
"Das glaube ich nicht. Es gibt so viele Firmen... Jeder wird unabhängig,
sobald er einen großen Hit hat, oder sie gründen ihre eigene Firma, und es
gibt so viele davon. Und auch die Songschreiber nehmen heute ihre eigenen Lieder
auf. Das ist der Grund, warum es so schwer ist, gutes Material zu finden."
"Material von Unabhängigen?"
"Ja."
"Sie besitzen selbst Verlagshäuser?"
"Ja, ich bin an einem Verlag beteiligt, aber ich nehme Songs von jedem
Schreiber, wenn sie gut sind. Er muss nicht in meiner Firma sein, er kann völlig
unbekannt sein. Wenn er mir die Songs schickt und sie gut sind, nehme ich sie
auf."

"Aber Sie wissen doch, dass die Plattenfirmen die Schreiber bevorzugen, die
in ihrem eigenen Verlag arbeiten?"
"Wahrscheinlich ist es so. Um ehrlich zu sein, ja."
"Auch
nach den Ermittlungen in dem eben erwähnten Prozess?"
"Damit bin ich wirklich nicht vertraut. Ich war in Hawaii, um mich für
New York ein wenig zu bräunen."
"Finden Sie, dass man die Songschreiber hören sollte?"
"Wenn Sie gutes Material haben, wenn sie gute Schreiber sind, dann ja.
Dann sollte man sie hören."
Colonel Parker: "Einige von Ihnen haben bereits fotografiert. Würden
Sie so freundlich sein, beiseite zu gehen, damit auch andere eine Chance
bekommen?" (Applaus) "Bite gehen Sie beiseite... und Sie, kommen Sie
ruhig nach vorne."
"Elvis, was für einen Gürtel tragen Sie?"
"Der Gürtel ist..." (Parker dirigiert die Journalisten.) "Der
Gürtel ist eine Auszeichnung vom..." (Der Colonel brüllt.) "Sobald
der Colonel fertig ist, erzähle ich es Ihnen...Der Gürtel ist eine
Auszeichnung des Hotels International für den Zuschauerrekord. Er ist eine
Trophäe, aber ich trage ihn hier nur, um aufzufallen."
Eine Frage an Vernon: "Mr. Presley, wann war Ihnen klar, dass Ihr
Sohn ein ganz besonderer Mensch ist?"
"Tja, das ist schwer zu sagen. Es ging alles so schnell, dass ich der
Entwicklung kaum folgen konnte. Nun, vielleicht war es 1956 nach der ersten
Fernsehshow."
Elvis: "Ich versuchte, es ihm schon früher klar zu machen, aer er
wollte nicht hören. (lacht) Aber im Ernst - es ging wirklich schnell für uns.
Meine Mutter, mein Vater, wir alle mussten uns sehr rasch an viele Dinge
anpassen, an viele gute Dinge, muss ich sagen."
"Hat Elvis sich nach allem, was geschehen ist, sehr verändert?"
Vernon: "Nein, eigentlich nicht. Mir ist nichts aufgefallen."
Elvis: "Doch, ich schwitze stärker."
"Welche Lieder singen Sie gern, und wie stellen Sie eine Show
zusammen?"
"Ganz gezielt. Ich mische gern. Mit anderen Worten: Ich singe gern ein
Lied wie "Bridge Over Troubled Water" oder "American Trilogy"
und danch ein wenig Rock, einen der harten Songs."
"Sind Sie einiger alter Songs überdrüssig?"
"Nein, ich schäme mich nicht im Geringsten für "Hound Dog",
"Heartbreak Hotel" und so weiter."
"Denken Sie schon daran, aufzuhören?"
"Nein, ich habe zuviel Energie. Ich denke nicht daran, nicht, solange
ich noch kann."
Wieder mischte sich der Colonel ein, aber diesmal, um die Pressekonferenz zu
beenden. "I'd like to live up to my reputation of being a nice guy, this
is it, folks!" ruft er.
Elvis dankt den Anwesenden und wird mit freundlichem Applaus verabschiedet. Die
harten New Yorker Reporter sind voller Bewunderung. Einer von ihnen schreibt später:
"Es war weniger das, was Elvis sagte, sondern die Art, wie er es sagte. Er
war sehr natürlich, mit Sinn für Humor und - wie ine Kollegin bemerkte - süß
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