D.J. Fontana in Deutschland
- Interview mit Elvis' Schlagzeuger (Andreas Warmuth) aus Graceland Nr. 75
D.J. Fontana an dieser Stelle vorzustellen, dürfte sich wohl erübrigt
haben. Jeder kennt den sympathischen Schlagzeuger, der Elvis durch die
ersten 15 Jahre seiner gigantischen Karriere begleitet hat. Sein Name
steht auf den Covers unzähliger Elvis-Platten.
Die Stage-Shows, die Ed-Sullivan-Shows, bis hin zum 68er Comeback, er war
bis 1968 bei allen markanten Geschehnissen in Elvis' Karriere dabei. Wie
er damals aussah, ist vor allem den neueren Fans nicht so bekannt, denn
oft ist er auf den heute bekannten Videos von Elvis' ersten TV-Shows bis
zum (hohen) Haaransatz hinter seinem Schlagzeug versteckt. Obwohl er mit
seiner Arbeit wesentlich zu dem uns bekannten Elvis-Sound beitrug, blieb
er dadurch immer etwas im Hintergrund.
Anders war das am Wochenende vom 16. bis zum 18. November 1990. In diesen
drei Tagen war er nämlich auf Europatournee. Nachdem er am 16. in der
Schweiz bei einem Fan-Treffen aufgetreten war, fand man ihn am 17. 11. im
"Sportheim" von Bad Nauheim, wo sich an diesem Tag ca. 350 Elvis-Fans aus
allen Teilen Deutschlands trafen. Bevor D.J. jedoch an diesem Tag sein
schlagzeugerisches Können unter Beweis stellte, konnte ich, zusammen mit
einigen wenigen anderen Fans, das folgende Interview mit ihm aufzeichnen:
Frage: Vielleicht können Sie uns etwas über Ihre Arbeit und die Zeit, die
Sie mit Elvis verbracht haben, erzählen.
D.J.: Oh, das geht schon einige Jahre zurück, etwa 1954-1955. Sie hatten
bereits einige Platten mit ihm herausgebracht. Diese original SUN-Sachen.
Ich kam dann ca. 6 Monate später dazu und blieb dann auch eine Weile, weil
ich einfach nichts Besseres zu tun hatte. Er kam ca. drei mal zum
"Louisiana Hayride" ...und ich arbeitete mit der Hayride-Besetzung ... und
dann mussten wir ihm (mit einem Schlagzeuger) aushelfen in einer Nacht.
Danach ging er für vier Tage nach Texas. Longview, Kilgore Taloe... diese
Namen sagen Ihnen vielleicht nichts, aber da spielte sich das ab. Dann kam
er nach Shreveport zurück und sagte: "Wir gehen hoch zur Ost-Küste", und
dann fragten sie mich, ob ich mitwolle. Ich entschied mich dafür,
mitzugehen. So bin ich dann für 12 oder 15 Jahre mit ihnen zusammen
geblieben. Manchmal ist es halt schwer, einen Job zu finden, bei dem man
auch bleiben kann.
Frage: Wissen Sie irgend etwas über unveröffentlichtes Material... (Ich
hatte das Wort "unveröffentlicht" noch nicht ganz ausgesprochen, da fiel
er mir schon mit einem energischen NO! ins Wort.) ...und wenn nicht, wie
erklären Sie es sich dann, dass keiner von Elvis' langjährigen Freunden
mehr etwas über das unveröffentlichte Material weiß, das fast monatlich
auf neuen Bootlegs erscheint?
D.J.: Viele Bootlegs bestehen aus Outtakes, die oftmals in Kalifornien
aufgenommen wurden. Dort haben wir eine Menge Stoff aufgenommen. Und diese
Sachen verschwanden einfach durch den Hinterausgang. "RCA Victor" wusste
also gar nicht, dass es diese Sachen überhaupt gab. So kamen die
Bootlegger an das ganze Material. Zwar sandten sie RCA die fertigen
Master-Aufnahmen, aber die Toningenieure ließen ja ständig das Band
mitlaufen. Die kostete es ja nichts, wenn das Band ständig lief. Diese
Sachen passierten also, und als dann der unglückliche Umstand dazukam,
dass ein Mann wie Elvis so früh in seiner Karriere starb, da dachten sie
sich, "Mit solchen Aufnahmen können wir 1.000.000 Dollar machen. Ich kann
mich aus der Hintertür davomachen und das ganze Material mitnehmen". Und
"Victor" wusste überhaupt nichts davon. Victor weiß noch nicht einmal, was
sie in ihren Archiven haben. Die wissen es tatsächlich nicht.
Frage: Ger Rijff hat ja jetzt die Archive durchsucht. Wissen Sie davon?
D.J.: Sie fanden unzählige Bänder, die sogar verstreut in verschiedenen
Kisten waren. Sehen Sie, das meine ich. Sie sollten mit dieser Arbeit
unbedingt weitermachen.
Frage: Sie können sich also an keine einzige Aufnahme erinnern, bei der
Elvis, z.B., vielleicht sogar in Graceland, neue Songs probiert hat?
D.J.: Bei den Proben lief das Band nie. Erst wenn man für die eigentlichen
Aufnahmen vorbereitet war, nahm man auf. Und diese "Zwischentakes"
behielten sie, und keiner wusste davon. Außer den Ingenieuren, die zum
Hinterausgang damit verschwanden. Ich kenne diese Leute, möchte sie jedoch
nicht namentlich nennen (lacht). Die haben noch einen Haufen Stoff, das
kann ich versichern. Wir haben in Kalifornien eine Menge aufgenommen. Wir
haben ja normale Sessions und Film-Soundtracks dort gemacht. Und
irgendjemand, irgendwo, hat diese Sachen. Und sie geben uns das von Zeit
zu Zeit. Sie können das jetzt nicht mehr so oft machen. Ihnen wurden die
Hände durch Gesetze gebunden. Wenn jetzt jemand mit Bootleg-Tapes erwischt
wird, geht er ins Gefängnis. So endet es dann. Aber sie machen es
trotzdem. Was sie tun ist, sie befördern die Sachen nach England oder
andere fremde Märkte. Und von dort kommen die Sachen dann wieder in die
Staaten.
Frage: Haben Sie welche davon?
D.J.: Nein, ich wünschte, ich hätte welche.
Frage: Oh, draußen in der Halle kann man sie kaufen.
D.J.: Ach Bootleg-LPs meinen Sie. Natürlich habe ich Bootlegs. Jeder hat
sie. Ich habe einen Freund in Baltimore, der sammelt solche Sachen nur
noch.
Wissen Sie, als diese Sache ihren Höhepunkt erreichte, da kam das FBI zu
mir nach Hause. (Anm. D.J. meint damit wohl die Jahre 1980-1985, als mit
dem Bootleg-Set "Behind closed doors" und den anderen LPs, die damals auf
dem Audifön-Label erschienen, die ersten größeren Mengen der uns heute
hinreichend bekannten Filmsessions ans Licht kamen. Damals wurden
LKW-Ladungen mit Bootlegs vom FBI beschlagnahmt. Die Hersteller dieser
Platten sollen teilweise noch heute im Gefängnis sitzen). Sie kamen zu
allen nach Hause. Sie fragten mich, ob ich Bootleg-Bänder besitze, und ich
sagte im Spaß: "Ja, jede Menge. Holt sie euch." Ich wolltemich mit denen
nicht anlegen. Sie wollten einfach verschiedene Leute überprüfen, und sie
wussten nicht, wo die Quellen waren. Also gingen sie zu jedem. Zu den
"Jordanaires", zu mir nach Hause. Sie waren überall.
Frage: Gab es zu irgendeiner Zeit Planungen darüber, dass Sie als
Schlagzeuger in den 70er Jahren fungieren sollten - nach dem 68er
Comeback?
D.J.: Oh nein, nein. Ich ging nicht hin. Sie riefen mich. Als sie nach
Vegas zurückgingen, riefen sie mich. Aber ich war gerade in Nashville
beschäftigt, und ich wollte mal eine Zeitlang zu Hause bleiben. Ich war
bereits seit 20 Jahren ständig unterwegs gewesen, wissen Sie. Scotty Moore
hatte damals ein Radio-Studio, also entschlossen wir uns, eine Weile zu
Hause zu bleiben. Wir legten Elvis unsere Gründe dar. Aber sie riefen
mich, ca. 6 Monate, bevor sie nach Vegas gingen. Ich wollte das einfach
nicht mehr machen.
Frage: Es scheint, als wäre in dieser Zeit (1968) alles ein wenig
auseinander gegangen. Während der Houston-Pressekonferenz 1970 bedauerte
Elvis, dass er die "Jordanaires" ebenfalls nicht aus Nashville
herausbekam. Also wollten die "Jordanaires" nicht mitkommen, sie wollten
nicht mehr mitmachen...
D.J.: Ja, wir wollten alle mal zu Hause bleiben. Jetzt tut mir das
natürlich leid, aber damals konnte ja keiner ahnen, was alles passieren
würde. Jetzt wünschte ich, ich wäre dabei gewesen, aber jetzt ist es
natürlich zu spät.
Frage: Wie waren Ihre Gefühle, als Sie auf die Bühne zurückkehrten während
der "Burbank-Session"?
D.J.: Wir hatten eine großartige Zeit damals, wirklich!
Frage: Konnten Sie auch eine plötzliche Änderung in Elvis' Stimme
feststellen?
D.J.: Seine Stimme war besser und kräftiger geworden. Umgeben von den
alten Freunden fand er zu seiner ursprünglichen, kehligen Stimme zurück.
Mit einer normalen "Big Band" versuchte er immer zu gut zu singen. Er sang
immer gut, verstehen Sie mich nicht falsch. Aber da versuchte er den
Leuten immer zu beweisen, dass er es tatsächlich kann. Aber auf dieser
Bühne konnte er so singen, wie er es zu Hause immer tat. Das war halt eben
seine normale Stimme. Einfach rauh, einfach so, wie sie war. Wir hatten
eine gute Zeit.
Frage: Oh, an dem Blitzen in Ihren Augen sieht man, dass es wahr ist.
D.J.: Er war etwas
durcheinander, wissen Sie. Es war das erste Mal, dass er wieder vor einer
Menge auftrat. Ich meine jetzt natürlich abgesehen von den Filmleuten, die
dafür bezahlt wurden, dass sie lachten und klatschten. Und er war etwas
nervös in dieser Sache. Aber er konnte sie immer kriegen. Die Leute
mochten, was immer er machte. Und er mochte die Leute.
Frage: Wann haben Sie Elvis das letzte Mal gesehen?
D.J.: Ich ging zu ihm nach Hause, auch nachdem wir uns getrennt hatten,
und besuchte ihn von Zeit zu Zeit.
Frage: Auch in den 70er Jahren?
D.J.: Ja, soweit ich in Memphis war, hielten wir Kontakt. Manchmal saßen
wir stundenlang da und redeten, bis ich sagte: "Ich muss jetzt gehen. Wir
sehen uns, wenn ich wieder in der Nähe bin." So war das. Du konntest nach
Memphis kommen, und wenn du nicht bei ihm vorbeigeschaut hast....
irgendjemand hat es ihm erzählt. Wenn du dann das nächste Mal bei ihm
warst, sagte er: "Du warst in Memphis letzten Juni, stimmt's?"
"Oh, ich bin kurz durchgefahren."
"Ich glaube, du hast versäumt, bei mir vorbeizukommen. Bis du böse auf
mich?"
"Nein, ich wollte dich nur nicht stören."
Da sagte er nur: "Komm, wann immer du kommen möchtest!" Aber er wusste,
wann du in der Stadt warst. Ich weiß nicht, woher. Und wenn du nicht zu
ihm kamst oder zumindest telefoniertest, konnte das seine Gefühle
verletzen.
Frage: Was ist Ihre Lieblingsaufnahme?
D.J.: Oh, ich mag die Gospels. Er mochte die Gospelsachen auch. Und er
brachte mit seinem Vortrag das Feuer dieser Lieder zum Vorschein. Und er
meinte sie ehrlich. Deshalb mag ich die Gospels.
Frage: Man hört ja immer, dass er sich vor Aufnahme-Sessions mit Gospels
in Stimmung zu bringen versuchte.
D.J.: Das machte er stundenlang. Stunde um Stunde. Manchmal sogar
tagelang.
Frage: Die Jordanaires haben einmal erzählt, dass er einmal vor einer
Session Gospels zum Aufwärmen sang. Da er anscheinend gar nicht aufhören
wollte, sagen die Produzenten zu den Musikern: "Wenn er nach der
Mittagspause weiter Gospels singen will, macht ihr einfach nicht mehr
mit." Aber Elvis bemerkte den Boykott und sagte nur: "Wenn ihr wollt, dass
ich diesen Film-Schund singe, dann möchte ich vorher so lange Gospels
singen, wie ich möchte." Und das tat er dann auch.
D.J.: Ja, das tat er. Sie wollten ihn damit nicht verärgern. Sie sagten,
er solle mit Gospelsingen aufhören, denn es konnte passieren, dass er nach
dem Gospelsingen keine Lust mehr hatte, die eigentlichen Aufnahmen zu
machen. Dann sagte er: "O.k. Jungs, geht nach Hause und kommt morgen
wieder" - und das kostete immer eine Menge Geld. Die Musiker mussten
engagiert werden, das Studio musste gemietet werden. Das wollten die
natürlich nicht. Aber irgendwann wurde den Jungs klar, dass im Grunde ja
Elvis für all das bezahlte und sie sagten: "Wenn ihr uns bezahlt, machen
wir, was ihr wollt. Aber solange Elvis uns zahlt, wird gemacht, was er
will." Dann gewöhnten sich die Produzenten daran. Schließlich machte Elvis
das Spielchen mit den Filmen mit. Und wenn er wirklich wollte, konnte er
alles an einem Tag aufnehmen, 10 oder 12 Lieder!
Frage: Wie fühlten Sie sich eigentlich bei den Film-Sessions?
D.J.: Oh, die Songs waren nicht gut. Das war halt ein Teil des Spieles. Du
bekommst ein Drehbuch. Dann engagieren Sie 4 bis 5 Songschreiber, die um
die Handlung herum etwas schreiben. Ob es da um Elefanten oder um Affen
ging - sie schreiben etwas. Einige Stücke waren schlecht. Wir wussten es.
Er wusste es. Aber so ist das nun mal.
Frage: Haben Sie Erinnerungen an die ersten Konzerte oder an Vorkommnisse,
z.B. während der Ed-Sullivan-Shows?
D.J.: Oh, das lief alles trocken wie Baumwolle ab. Wir gingen hin,
probten, warteten dann bis wir gerufen wurden, spielten und gingen dann
wieder. Es passierte nichts Sensationelles.
Frage: Es heißt immer, dass Elvis einen tollen Sinn für Humor hatte. Fällt
Ihnen dazu etwas ein?
D.J.: Er war immer zu einem Spaß bereit, das stimmt. Und er vergaß niemals
etwas. Egal, was es war. Auf etwas, was du heute gemacht hast, konntest du
auch noch drei Monate später eine Reaktion von ihm erwarten. Wenn du dann
fragtest, warum er etwas im Moment nicht Nachvollziehbares machte, dann
antwortete er: "Erinnerst du dich nicht daran, als....?" und er gab dir
die genaue Zeit, das genaue Datum. Er hatte ein unvorstellbares
Gedächtnis.
Frage: Sie haben mal mit
Orion/Jimmy Ellis Weihnachtslieder von Elvis neu eingespielt. Was halten
Sie von solchen Sessions, in denen es zwar um Elvis geht, er aber nicht
mehr dabei ist? Das war ja auch bei der "I WAS THE ONE-LP" der Fall, wo ja
die fertigen Elvis-Lieder von Ihnen nochmals mit einem Schlagzeug-Part
überspielt wurden.
D.J.: Oh ja, das haben wir nochmal overdubbed. So kamen wir alle nochmal
zusammen. Bob Moore, ich, Scotty. Wir kamen alle zurück. Aber nur einer
nach dem anderen. Mit Bob habe ich bis heute noch Kontakt.
Irgendwo hatte RCA auf jeden Fall 3-Spur-Bänder von diesen Sachen. RCA
sagte, sie hätten diese Bänder nicht, aber Scotty sagte: "Ihr habt sie,
also geht und sucht." Scotty war ja Ton-Ingenieur. Er wusste also, wovon
er sprach. Wie auch immer, RCA fand nur die Mono-Bänder. Also mussten wir
ganz genau auf Elvis' Stimme achten. Alles, die Stimme und die
Instrumente, waren ja auf einer Spur. Heute kann man ja bestimmte Spuren
einfach ausblenden. Aber alles in allem hat die Platte einen guten Klang.
Frage:Was hatte Elvis, was ihn so einzigartig machte?
D.J.: Charisma! Das ist alles, was ich dazu sagen kann. Alle, die mit ihm
zusammenarbeiteten, versuchten herauszufinden, was ihn so gut machte.
Viele Leute mochten ihn, und keiner weiß warum. Es war einfach so.
Charisma. Wenn er einen Raum betrat, wurde es hell. Er gehörte zu der
Sorte Mensch... er mochte die Leute, und das fühlten die Menschen.
Frage: Haben Sie die "My Happiness"-Aufnahme? Wie denken Sie darüber?
D.J.: Gut! Sie ist exzellent. Wirklich gut. Ich war überrascht. Wo diese
Aufnahme doch schon vor so vielen Jahren entstand. Auch diese beiden
Videos, die sie herausbrachten (Great Performances Vol. 1 + 2). Da ist
eine Menge altes Material drin. Aber sie haben es gut verarbeitet.
Frage: Wie ist das für Sie, wenn Sie 13 Jahre nach Elvis' Tod einem
solchen Treffen beiwohnen?
D.J.: Es ist fantastisch, zu sehen, dass die Menschen noch immer zusammen
kommen, um ihn singen zu hören. Sie spielen seine Musik. Und es geht
weiter udn wetier und weiter. Und es hört nicht auf.
Frage: Es wird sogar immer größer!
D.J.: Und keiner weiß, warum. Und ich bin glücklich, das zu sehen.
Frage: Haben Sie Erinnerungen daran, dass die Konzerte der 50er Jahre oft
von lokalen Radiostationen mitgeschnitten wurden? Es gab neulich eine
Bootleg mit einem Konzert aus "Little Rock". Dann gibt es diese ganzen
"Hayride"-Mitschnitte. Es heißt sogar, dass alle Hayride-Konzerte
mitgeschnitten wurden. Glauben Sie das?
D.J.: Ja, daran glaube ich!
Frage: Es heißt, Elvis wolle während seinen Konzerten "Only You" usw.
gesungen haben.
D.J.: Es kann sein, dass sie das mitgeschitten haben. Sie haben alle
"Hayride"-Mitschnitte. Sie haben das nicht auf Bändern, sondern auf ca. 1
m großen "discs". Da gabe es auch eine Sache, die sie mal gemacht haben,
als der Hayride einmal von Southern-made Donuts gesponsert wurde. Keiner
hat das bis jetzt gefunden.
Elvis hatte dafür ein Werbelied gesungen.Frag mich nicht, vielleicht 5
Sekunden lang. Keiner weiß, wo das ist. Aber er hat es gemacht. Sehen Sie,
als es anfing, hatte er erst ein paar Platten herausgebracht. Er war also
praktisch gezwungen, sein Programm mit den Hits anderer aufzufüllen. Und
der Hayride hat diese alle auf diesen Azetaten. Sie müssen sie nur suchen.
Die Hayride-Sachen, die es bis jetzt gibt, sind ja nur Ausschnitte, und
ich bin sicher, dass sie noch mehr davon haben.
Frage: Was halten Sie von Aufnahmen, die jetzt neu herauskommen und bei
denen Sie mitwirken? Das war ja erst neulich der Fall, als die
Milton-Berle-Show von der U.S.S. Hancock wiedergefunden wurde. Haben Sie
dieses Band gesehen?
D.J.: Nein.
Frage: Sind Sie denn nicht an "Jugenderinnerungen" von sich selbst
interessiert?
D.J.: Darüber habe ich noch garnicht nachgedacht. Die Leute schicken mir
eigentlich ständig irgendwelche Bänder zu. Die habe ich und schließe sie
weg. Vielleicht haben die Kinder mal Interesse daran, wenn ich tot bin.
Frage: Aber Sie haben kein
Interesse daran?
D.J.: Nein, ich sehe mir nicht viel davon an. Seine Filme sehe ich mir
nicht an. Vielleicht ist es, weil ich ja persönlich dabei war.
Frage: Hat Elvis Ihnen einmal ein Geschenk gemacht? Ein Auto oder so
etwas?
D.J.: Ich bekam nie ein Auto. Ich ging zu früh; bevor er richtig großzügig
wurde. Charlie Hodge bekam eins, George Klein bekam eins. Alles was er
hatte, verschenkte er. Er genoss es richtig, wenn er etwas verschenkte.
Frage: Hat sich Elvis später, als er richtig berühmt war, oft darüber
beklagt, dass er kein richtiges Privatleben mehr hatte und plötzlich alles
anders war?
D.J.: Ich sprach manchmal mit ihm darüber. Und da war er es schon
teilweise müde. Dann sagte er: "Weißt du, das macht alles keinen Spaß
mehr. Es hängen mittlerweile so viele Leute mit drin. Manchmal bin ich es
müde." Manchmal langweilte es ihn schon den frühen Jahren.
Frage: Wann fing das etwa an?
D.J.: Bereits in den 60er Jahren sprach ich mit ihm darüber. Und da war er
es schon teilweise müde. Ständig waren Leute um ihn herum und alles. Jeder
bedrängte ihn. Immer mehr und immer mehr. Es ist eine Schande.
Frage: Andererseits heißt es aber auch, dass er Leute um sich brauchte und
gerade in den letzten Jahren teilweise nur deshalb ständig auf die Bühne
ging, um Menschen um sich zu haben.
D.J.: Ich glaube, wenn er eher auf die Bühne zurückgekehrt wäre, hätte er
vielleicht länger gelebt.
Aber wir machten 10 Jahre lang diese Filme, und die waren einfach
schlecht. Auch die Soundtracks. Und er wusste, dass es nicht gut war. Aber
die Verträge waren unterschrieben. Also musste er einfach da durch. Er hat
wirklich das Beste herausgeholt, aber er hatte keinen Ausweg. Immer die
selben "Beach-Boy"-Sachen. Er wollte andere, bessere Sachen machen. Er
hatte die Möglichkeit, in "A Star Is Born" mitzuspielen. Der Colonel ließ
es nicht zu. Es ist eine Schande. Er hätte ein guter Schauspieler sein
können.
Frage: Und keiner fragte, warum das so war?
D.J.: Beim Colonel wusste man nie, was er im Schilde führte.
Frage: Elvis sagte nie: "Hey Colonel. Diesen Film will ich machen."
D.J.: Elvis widersprach dem Colonel nie! Er dachte, der Colonel brachte
ihn dahin, wo er war. Und er sagte: "Ich möchte ihn nicht verärgern, denn
er wird schon wissen, was er macht. Warum soll ich mit jemand diskutieren,
der bis jetzt alles richtig gemacht hat?" Aber wegen der Filme hätte er
mit dem Colonel reden müssen.
Frage: Und wer war dann 1968 für den großen Wechsel verantwortlich? War
das Der Colonel oder Elvis selbst?
D.J.: Nein, ich denke, das
war eine ganz natürliche Sache. Er kam aus den Filen heraus, und er war ja
schon 8 Jahre nicht auf der Bühne. Also wollten sie sehen, ob er immer
noch die Power besaß. Und das zeigte er ihnen dann ja auch. Aber ich
denke, es war Sache des Colonels. Er verstand es, Werbung zu machen. Er
wusste, was ermachte. Dieses Lob muss ich ihm zugestehen, obwohl ich ihn
persönlich nicht mag.
Frage: Was dachten Sie, als Sie hörten, dass Elvis tot ist?
D.J.: Das war schrecklich. Ich denke, es war für die ganze Welt
schrecklich. Zuerst glaubte ich an ein Gerücht. Also habe ich versucht,
einige Leute anzurufen. Aber ich erreichte niemand. Den Colonel in
Kalifornien habe ich nicht erreicht. Ich erreichte einfach niemanden. Nach
drei STunden am Telefon kam ich est auf die Idee, in Memphis direkt
anzurufen.
Frage: Was denken Sie über all diese miserablen Bücher, die ständig auf
den Markt kommen?
D.J.: Das ist eine schlimme Sache. Ich denke, dass einige dieser Leute
Elvis mal auf der Straße getroffen haben. Und was sollten solche Leute
schon über Elvis zu sagen haben? Sie waren nicht dabei. Und wir, die wir
dabei waren, haben mit denen nie geredet oder ihnen Informationen gegeben.
Viele von diesen Kerlen kennt keiner von uns. Wenn die dann was schreiben,
schreiben sie immer nur: "Das habe ich aus verlässlichen Quellen." Aber
was verstehen die unter verlässlicher Quelle? Warum schreiben sie nicht
mal eindeutig: "Das habe ich von D.J." oder so?
Frage: Kennen Sie Bill Lynn?
D.J.: Nein. Darüber habe ich heute schon einmal mit jemanden gesprochen.
Den kenne ich nicht.
Frage: Er hat vorgegeben, Sie bei einigen Elvis-Hits vertreten zu haben.
Er meinte, die Verträge wären damals schon auf Sie ausgestellt gewesen.
Daher sei er in den Papieren nie erwähnt. Er brachte auch neulich die
"Jordanaires" nach Deutschland.
D.J.: Davon weiß ich. Die Jordanaires riefen mich vorher an und fragten
mich, wer das ist. Ich wusste es auch nicht. Was er vielleicht gemacht
hat... wir haben die Soundtracks für die Filme gemacht, und dann sind die
Bandmitglieder nach Hause gegangen. Dann haben sie für den Film
Schauspieler engagiert, die im Film Schlagzeug spielten. Das h eißt, erhat
gar nicht gespielt, sondern im Film als Statist gespielt. Das ist ds
einzige, wie er vielleicht mit dieser Sache zu tun gehabt haben könnte.
Als Schauspieler. Sehen Sie, das ist wieder so einer, den keiner von uns
kennt.
Frage: Haben Sie auch dieses Band gehört, von dem man sagte, dass es von
Elvis nach seinem offiziellen Tod aufgenommen wurde?
D.J.: Ja, vor einiger Zeit. Es hörte sich ähnlich an wie er. Aber er war
es nicht.
Frage: Wussten Sie das vom ersten Augenblick an?
D.J.: Nein, ich habe esmir bestimmt eine Stunde lang angehört. Es gab da
einige Redewendungen, die er nie benutzt hatte. Einige Wörter, die er nie
benutzt hatte. Dann, letztes Jahr, hatten sie diesen Kerl ja in einer
Fernseh-Show, und er sagte, dass er es gewesen sei. Er stellte sich vor
die Kamera und sagte: "Die haben mir 250 Dollar geboten, damit ich das
mache." Es gab sogar Verträge darüber. Also war es nicht Elvis. Ich habe
gehört, dass Girogio wieder ein Buch herausbringt! Sie schreibt ständig
irgendwas.
Frage: Ich hörte, Albert Goldman hat auch ein neues Buch geschrieben.
D.J.: Was! Der hat auch noch eins geschrieben? Das könnte sein. Aber was
sollte der denn noch zu sagen haben?
Frage: Die Sache mit Goldman finde ich interessant. Ich habe einen von ihm
verfassten Artikel aus dem Jahr 1969 gelesen. Da war er von Elvis völlig
begeistert gewesen. Von seiner Ausstrahlung und seinem Aussehen....
D.J.: Goldman hat das gesagt? Oh, dann hat er seine Einstellung
dahingehend ja wohl geändert. Wahrscheinlich hat ihm die andere
Einstellung kein Geld gebracht. Wissen Sie, Goldmans Buch wurde ja
teilweise von Lamar Fike zusammengestellt. Er war ja mit Elvis befreundet.
Und eder startete diese Sache mit Goldman. Und dann muss das Ganze außer
Kontrolle geraten sein. Und als Lamar merkte, dass es schlechter und
schlechter wrude, konnte er bereits nichts mehr dagegen tun. Lamar hatte
mich in dieser Sache einmal angerufen und mich gefragt, ob ich einmal mit
Goldman reden wollte. Aber ich sagte: "Ich will nicht mit Goldman reden.
Ich mit keinem von denen reden." So ging das einen Monat lang. Dann
stimmte ich schließlich doch einem Treffen zu. Wir redeten, und alles, was
ich Goldman erzählte, waren nachvollziehbare Geschichten. Er sagte zwar,
er wollte beide Seiten von Elvis zeigen, aber ich bezweifle, dass er auch
nur das geringste von dem verwendet hat, das ich ihm erzählt habe.
Frage: Haben Sie davon gehört, dass Dr. Nick ein Buch plant, in dem es
heißt, Elvis sei durch einen Karateschlag gegen sein Genick getötet
worden?
(Bei dieser Frage ertönte im Raum schallendes Gelächter. Zufällig lief
draußen im Saal auch die Lachversion von "Are You Lonesome Tonight".)
D.J.: Dr. Nick sagt das? Mein Gott! Ich dachte immer, er wäre klüger. Das
ist ja wohl etwas weit hergeholt. Wenn ich solche Sachen höre.... und Dr.
Nick ist auch nicht besser. Wenn jemand wie Elvis stirbt, erfolgt immer
eine Autopsie. Und wenn er geschlagen worden wäre, hätte man Anzeichen
dafür gefunden.
Frage: Wie ist das mit der Johnny-Bernero-Geschichte? (Anm.: Jahrelang
hielt man es für selbstverständlich, dass D.J. während der SUN-Sessions
das Schlagzeug gespielt hatte. Aber dann sagte D.J. vor einiger Zeit in
einem Interview, dass er nicth bei einer SUN-Session dabei war. Vielmehr
hätte ein Mann aus Memphis manes Johnny Bernero während der ersten Session
als Schlagzeuger fungiert.)
D.J.: Den habe ich seit Jahren nicht gesehen. Ich traf ihn vor einigen
Jahren einmal.
Frage: Und Sie spielten während der SUN-Zeit wirklich nur während der
Tourneen mit Elvis? Nie im Studio?
D.J.: Richtig. Wie schon erwähnt, habe ich später einige SUN-Titel
overdubbed.
Frage: Was war der Grund dafür, dass Sie nicht bei den Sessions dabei
waren?
D.J.: Ich wohnte damals nicht in Memphis. Scotty und Bill waren dort. Also
holte man die schnell zusammen, wenn man etwas aufnehmen wollte. Aber ich
wohnte unten in Louisiana, und sie konnte es ich nicht leisten, mich nach
Tennessee zu holen. Damals hatten sie ja noch kein Geld.
Frage: Aber bei den Tourneen waren Sie dabei?
D.J.: Ja, unten in
Louisiana. Das ging so, bis wir "Heartbreak Hotel" für RCA Victor
aufnahmen.
Frage: Was war unten in Louisiana? Waren Sie bei Westküsten-Tours nicht
dabei?
D.J.: Doch, wir gingen überall zusammen hin. Aber der "Hayride" war da
unten in Louisiana. Und Elvis war ja immer beim "Hayride". Und zu den
Tourneen, die den "Hayride"-Auftritten folgten, nahm man mich dann direkt
mit.
Frage: Johnny Bernero absolvierte keine Tour-Auftritte mit Elvis?
D.J.: Nein, Elvis hatte verschiedene Jungs damals. Vielleicht hat Bernero
in der Memphis-Gegend einige Konzerte mitgemacht. In Clubs oder so. Ich
weiß nicht, wen Elvis alles dafür hatte. Er hatte für Konzerte in kleinen
Lokalen einige Leute engagiert. Wer halt gerade da war. Das endete
allerdings, als ich dann fest dazu kam.
Frage: Was halten Sie von Elvis-Imitatoren?
D.J.: Oh, die sind o.k., wirklich.
Frage: Sie denken nicht etwa, dass diese Leute verrückt sind?
D.J.: Nein, wirklich nicht. Ich kenne einige von ihnen, und es sind
wirklich nette Jungs. Und sie stehen zu dem, was sie tun. Sie wollten ur
Elvis' Musik in Erinnerung halten. Diese Jungs wissen oft mehr über Elvis
als wir alle. Sie studieren ihn, seine Bewegungen.... sie wissen alles von
ihm.
Frage: Das ist eben ihre Art, Elvis zu ehren.
D.J.: Ja, sie wollen Elvis damit ja nicht weh tun.
Frage: Aber das tun sie. Die Presse macht Bilder von ihnen und sagt: "Hey,
noch so ein verrückter Fan, der so aussehen will, wie Elvis" (Anm.: Für
alle die, die nicht wissen, wie ich das meine, sage ich nur "Klofrau aus
Barmbeck")
D.J.: Ah, die Presse. Ich kenne einige Imitatoren, und keiner von denen
will Elvis' Image schaden.
Frage: Wenn Elvis leben würde, was würde er zu Priscillas Buch sagen?
D.J.: Das Buch, das sie schrieb? Solche Bücher lese ich nicht! Ich habe
auch den Film nicht gesehen. Ich habe meine Erinnerungen. Warum soll ich
diesen ganzen Müll also lesen? Und die Fans sollten solche Dinge wirklich
auch nicht kaufen! Das ist die beste Art, solche Sachen abzuschaffen.
Frage: Haben Sie Charlie Hodges' Buch gelesen?
D.J.: Nein, er schickte es mir zwar, aber.... Ich habe Red Wests Buch zu
Hause im Schrank. Ich habe es nie aufgeschlagen.
Die Fans erzählen mir immre, was in diesen Büchern steht. Sie erzählen mir
alles, was in diesen Büchern vorkommt. Ich rede ständig mit den Fans, und
immer schimpfen sie: "Hey, wie konnte der und der so etwas schreiben?" und
ich frage dann immer nur: "Warum hast du dir so ein Buch gekauft?"
Frage: Haben Sie bis jetzt irgendetwas geschrieben?
D.J.: Nein.
Frage: Wir warten darauf. Ein gutes Buch. Vielleicht das erste gute Buch
über Elvis überhaupt.
D.J.: Ja, wenn ich eins schreiben würde, wäre es gut. Ich hatte noch kein
Glück, denn ich wollte mit Scotty Moore zusammen schreiben. Scotty war vom
ersten Tag an mit dabei. Bill Black ist ja tot. Also sind nur noch Scotty
und ich übrig von dem Original-Trio. Bis jetzt habe ich mit Scotty aber
über so etwas noch nicht sprechen können. Vielleicht eines Tages. Ich
wollt emit ihm auch wieder "on the road" gehen. Aber er sagte immer: "Ah,
vielleicht" oder "Ruf mich morgen nochmal an". Aber eines Tages kriege ich
ihn.
Frage: Einige Leute sagen, dass sich einige Musiker von Elvis trennten,
weil sie nicht genug bezahlt bekamen. Es heißt, dass man gerade in den
frühen Jahren oft nur so viel Geld bekam, dass man seine Unkosten decken
konnte.
D.J.: Von diesem Unsinn habe ich auch gehört. Aber der einzige Grund,
warum Leute auseinandergehen, ist, weil sie mal was anderes machen wollen.
Frage: Haben Sie auch Privatfilme von Elvis. So wie Joe Espositio?
D.J.: Nein, ah, Joe hatte Glück. In den frühen Tagen erlaubte der Colonel
nicht, dass einer eine Kamera mitführte. Wenn er eine Kamera sah... oh, da
konnte er böse werden. Selbst bei Fotoapparaten. Er hatte dafür seine
eigenen Leute. Und kein anderer durfte das machen. Alles, was z.B. bei den
Ausflügen gefilmt wrude, musste zuerst im Büro des Colonels vorgelegt
werden. Nichts kam heraus ohne sein O.K. |