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Oliver A.
Schmidt interviewte am 5. August 1997 (exklusiv für Graceland) Bill E.
Burk in seinem Hause in Memphis:
OS: Wann wurde Ihnen zum ersten Mal bewusst, dass Ihre Arbeit, über
Elvis zu schreiben, Ihr gesamtes Leben für eine so lange Zeit verändern
würde?
BB: Es war an dem Tag, als Elvis in Memphis zu Grabe getragen
wurde, am 18. August 1977. Seit drei Tagen hatte ich rund um die Uhr daran
gearbeitet, über Elvis zu schreiben, neue Informationen seit seinem Tod zu
sammeln (Anm.: Damals entstand die Grundlage zu dem Buch "Elvis - Through
My Eyes")
OS: Was war Ihrer Meinung nach der Hauptunterschied zwischen Elvis
und anderen Musik-Künstlern?
BB: Ich denke, wenn jemals irgend jemand geboren wurde, um Menschen
zu unterhalten, dann war es Elvis Presley. Viele Leute gehen einfach auf
die Bühne und singen, um Geld zu verdienen. Ich denke, dass Elvis derselbe
Entertainer gewesen wäre, wenn er kein Geld gehabt hätte oder 10 Millionen
Dollar. Er wurde geboren, um zu unterhalten.
Im Mai 1977 fragte ich Elvis, warum er sich nicht eine Pause von einem
Jahr gönne, um sich zu erholen. Er sagte mir, dass er auf der Bühne sein
musste, vor seinem Publikum. Er sagte: "Ich muss das tun!"
OS: Wovon handelte Ihr letzter Zeitungsartikel über Elvis, bevor er
starb?
BB: Gerade einen Tag vor Elvis' Tod hatte ich einen Bericht über
seine bevorstehende Tour geschrieben. Zum aller ersten Mal in Memphis
sollten im Midsouth-Coliseum, in dem er dann am 27. und 28. Auust 1977
auftreten sollte, Plätze in den ersten Reihen 100 Dollar kosten, andere
Sitze 50 und 25 Dollar. Ich schrieb in meiner Kolumne, dass das nicht in
Ordnung sei, dass man damit die Leute prellte.
Ich schrieb diesen Artikel am Morgen des 16. August, er sollte am 17.
August abgedruckt werden, in unserer Nachmittagszeitung (Anm.: Im
Commercial Appeal). Während ich Golf spielte, erfuhr ich von seinem Tod.
Ich rief sofort bei der Zeitung an, diese Kolumne nicht abzudrucken. Ich
sagte ihnen, dass ich sofort in mein Büro kommen würde, um den Bericht
abzuändern.
OS: Bekamen Sie oft Reaktionen auf Ihre Zeitungsberichte von Elvis
oder Vernon mitgeteilt?
BB: Nein, nicht direkt. Elvis sprach mit den Memphis-Mafia-Kerlen
über diese Sachen. Nur ein einziges Mal hat er mich persönlich deswegen
angerufen. Das war, als ich den Bericht über sein letztes
Las-Vegas-Engagement (Anm: Vom 2. bis 12. Dezember 1976) geschrieben
hatte. Damals hatte ich Elvis lange nicht mehr auf der Bühne gesehen, es
war das erste Konzert, das ich von ihm seit langen Jahren sah. Ich war
sehr enttäuscht, auch weil ich wusste, dass er krank ist. Er konnte sich
den Text zu den Liedern nicht mehr merken, Charlie Hodge musste ihm
Liedtexte auf einem Zettel reichen, es war überhaupt nicht professionell.
Ich spreche hier nicht als Elvis-Fan, sondern als Kritiker, der zu
beurteilen hat, ob es eine gute oder schlechte Vorstellung ist. Es machte
für meinen Beruf keinen Unterschied, ob ich einen Freund oder einen
Fremden beurteilen musste. Es war eine schreckliche Vorstellung für mich.
In über der Hälfte meines Artikels fragte ich mich, warum er das
eigentlich immer noch macht. Er sollte aufhören, sich eine Ruhepause
gönnen, um seine Gesundheit wieder zu bekommen, sein Leben wieder zu
bekommen. In der anderen Hälfte der Kolumne fragte ich die Fans, warum sie
sich das ansahen, denn sie bezahlten 20 Dollar, um eine Show zu sehen,
aber er hatte den Text vergessen, er konnte den Text nicht ablesen usw.
Zunächst hatten die Mafia-Leute diesen Bericht aus der Zeitung
ausgeschnitten, so dass er ihn im Dezember nie gelesen hat, er hat ihn
dann im März gelesen.
Er rief mich dann am 1. Mai 1977 an, fünfeinhalb Monate später. Er fragte
mich, warum ich ihn so kritisiert hätte, er dachte es wäre eine
persönliche Angelegenheit. Ich sagte ihm, dass es ganz und gar keine
persönliche Kritik an ihm sei, was ich aber auf der Bühne gesehen hatte,
sei überhaupt nicht professionell gewesen und dies hatte ich geschrieben.
Das alles brachte uns dazu, dass wir uns die folgende Woche trafen und für
1 1/2 Stunden in einem Auto unterhielten. Wir sprachen über unser Leben,
unsere Arbeit. Als er sich von mir verabschiedete, sagte er zu mir: "Ich
gehe auf Tour. Ich werde dich anrufen, wenn ich wieder zurück bin." Dies
war die Tour bei der er in Louisiana (Anm.: Alexandria, 30. März 1977)
abbrach und direkt ins Krankenhaus gebracht wurde.
Drei oder vier Tage nachdem er gestorben war, fragte mich meine Mutter, ob
Elvis mich noch telefonisch erreicht habe. Ich fragte sie, was sie meine.
Sie sagte, dass er zweimal in der letzten Woche bei mir zu Hause angerufen
habe und mich sprechen wollte. Meine Mutter sagte mir, dass sie es mir
doch ausgerichtet habe. Ich sagte ihr, dass sie nie etwas zu mir gesagt
hatte.
Veron sagte zu mir nach dem Begräbnis, dass Elvis mehrfach noch versucht
hatte, mich telefonisch zu erreichen. Warum, werde ich wohl nie erfahren.
OS: Was war Ihr schönster Moment mit Elvis?
BB: Oh, ich muss sagen, da gibt es zwei sehr schöne Momente. Der
schönste war, als ich ihn mitnahm zu einem Flug. Das war an einem
Sonntagnachmittag im Mai 1960. Er kam gerade von der Armee zurück.
Der andere Moment hat auch mit unserem ersten gemeinsamen Flug zu tun, war
aber am 7. März 1960, als ich mit ihn nach seiner Entlassung aus der Armee
aus Deutschland im Zug fuhr (Anm.: Bill Burk war damals der einzige
Journalist, zusammen mit seinem Fotografen Bill Leaptrott, ein Schulfreund
von Elvis), dem Elvis erlaubte, ihn während dieser Zugfahrt von Grand
Junction nach Memphis zu begleiten). Er fragte mich, was ich in der Zeit
gemacht hätte, als er weg war. Ich sagte ihm, dass ich als Pilot überall
hingeflogen sei.
Im Mai, an einem Sonntag, habe ich Passagiere geflogen, jeweils 20 Minuten
lang. Über die Stadt, den Fluss usw. Als ich fertig war, sah ich Elvis am
Flughafen, der sich die Flugzeuge anschaute. Er war allein in einem Auto.
Ich ging zu ihm und sprach mit ihm. Ich fragte ihn, ob ich ihn einmal
mitnehmen sollte. Er sagte: "Ich habe dir schon im Zug erzählt, dass du
mich nie in so ein Ding hineinbringst. Die sind nicht sicher." Ich sagte:
"Das ist Bullshit. Ich fliege den ganzen Tag Leute, und nie ist jemand
dabei gestorben."
Ich habe ihn dann zu einem Flug überredet. Sie können mich jetzt nicht
sehen, aber als ich begann den Motor zu starten, klammerte er sich um mich
(Anm.: Bill Burk macht unmögliche Verrenkungen), obwohl wir noch am Boden
waren. Er hatte sich angeschnallt. Als wir dann abhoben, musste ich eine
Linkskurve fliegen. Das brachte Elvis, der rechts neben mir saß, über
mich, und das machte ihn panisch. Er umklammerte meinen Hals, und ich
sagte zu ihm: "Du wirst uns umbringen! Wenn du mich nicht sofort loslässt,
werden wir beide sterben. Dann wird das Flugzeug abstürzen. Dann sind wir
beide tot." Er hielt sich dann zurück.
Ich flog ihn über Graceland, zeigte ihm sein Haus, zeigte ihm den Fluss,
die Brücke über den Fluss und alles. Auf dem Weg zurück ließ ich ihn
selbst für zwei oder drei Minuten fliegen. Eine Linkskurve, eine
Rechtskurve, und ich fragte ihn: "Willst du es landen?" Er sagte: "Oh
nein, nein!"
Das war im Mai 1960, und im Juli begann er, mit Fluggesellschaften zu
fliegen, freiwillig. Während seiner Armeezeit musste er fliegen. Es war
das erste Mal, dass er selbst ein kleines Flugzeug geflogen hatte. Ich
denke, das hat seine Meinung über das Fliegen geändert, dieser 20- bis
30-minütige Flug.
OS:
Was war Ihr traurigster Moment
mit Elvis?
BB: Traurigster Moment? (Pause)
Ich weiß nicht mehr genau, wann das war, da rief er mich an, ich sollte zu
seinem Haus kommen. Es war so gegen 1 Uhr nachts, als ich angerufen wurde.
Ich fragte warum, und er sagte, dass er einfach reden wollte. Er war sehr
traurig, dass seine Mutter gestorben war, und er war sehr traurig über
sein momentanes Leben. Das war so 1960/1961. Wir saßen in dem Zimmer, in
dem das Piano steht. Er war so traurig. Ich war ungefähr für eine Stunde
im Haus. Als ich gerade gehen wollte, mein Auto war direkt vorm Haus vor
den Treppen geparkt, ich stieg gerade ein, da sagte er: "Ich wünschte, ich
könnte so wie du sein." Ich sagte: "Was?" "Ich wünschte, ich könnte so wie
du sein." Ich sagte: "Das musst du mir erklären. Du hast ein riesengroßes
Haus, überall Autos, du hast alles im Leben, Millionen Dollars und alles.
Ich habe das nicht. Erkläre mir das." Er sagte: "Du kannst nun durch
dieses Tor fahren, und niemand wird dich belästigen. Mir werden sie das
Hemd wegnehmen, meine Frisur ruinieren und alles. Du hast Freiheit, ich
hab' keine Freiheit." Und ich sagte: "Das ist, weil du diese Mauern um
dein Haus willst, du willst ein Gefangener in deinem eigenen Haus sein.
Die Leute sehen dich nur kurz. Was du tun musst, ist, heute abend raus
gehen, morgen abend raus gehen, jede Nacht. Und nach einer Woche oder zwei
sehen sie dich jeden Tag, und sie werden dich nicht mehr belästigen." Und
ich öffnete die rechte Tür und sagte zu ihm: "Komm, steig ein. Ich werde
dich mitnehmen. Und ich werde morgen wiederkommen, und übermorgen, und
jeden Tag werde ich dich hinter diese Mauen mitnehmen. Ich garantiere dir,
dass du nach zwei Wochen in einen Supermarkt gehen kannst, in ein Kino,
und alle werden nur sagen: "Oh, da ist Elvis". Niemand wird dich mehr
belästigen." Er antwortete: "Denkst du das wirklich?" Und ich sagte: "Ja,
ich weiß es. Ich kann dich mit herausnehmen. Los, steig ein!" Und man
konnte ihm richtig ansehen, wie er nachdachte: "Ja. Nein. Ja. Nein..." Das
einzige was ich hätte tun müssen wäre, ihn ins Auto zu schubsen. Aber ich
habe es nicht getan. Wir fuhren nicht zusammen. Wir fuhren nie zusammen.
Wenn es einen traurigen Moment gibt, dann würde ich diesen Moment gerne
ändern. Ich würde seinen Arm nehmen und sagen: "Los geht's" Und ich bin
mir sicher, dann hätte er es getan. Wenn er sich mehr in der
Öffentlichkeit gezeigt hätte, hätte sich sein gesamtes Leben verändert.
OS: Was war die aufregendste Neuigkeit, die Sie herausgefunden
haben, während Sie an Ihrem Buch "SUN Years" gearbeitet haben?
BB: Vom historischen Standpunkt aus gesehen ist wohl das
aufregendste, dass Dewey Phillips nicht der erste war, der Elvis' Lied
"That's All Right Mama" im Radio gespielt hat. Wir erfuhren darüber von
Marion Keisker, die Elvis' erste Aufnahme "My Happiness" für 4 Dollar
machte. Wir trafen uns zufällig in einem Copy Shop, hier ganz in der Nähe,
im November 1989. Sie starb am 31. Dezember 1989. Wir sprachen also noch
sechs Wochen vor ihrem Tod zusammen. Ich sagte zu ihr, dass ich gerade
erfahren hatte, das war damals noch neu, dass Elvis nicht als Truck-Fahrer
bei Crown Electric gearbeitet hat, als er "My Happiness" aufnahm. Und sie
sagte: "Ich habe nie geglaubt, dass er einen Truck fährt. Wenn er zu
Aufnahmen kam, hatte er Schmiere überall, an seinen Händen, an seiner
Kleidung. Das hat man nicht, wenn man einen Lastwagen fährt. Ich habe nie
gedacht, dass er dort arbeitet. Ich erfuhr, dass er zu dieser Zeit kleine
Motoren reparierte." Ich (Bill) habe das erst im November 1989 erfahren.
Sie sagte: "Ich weiß noch etwas, was du überprüfen kannst. Dewey Phillips
war nicht der erste, der Elvis im Radio gespielt hat. Das ist die
Geschichte, du kannst sie überprüfen."
Ich habe 1989 noch nicht an dem "Sun-Years-Buch gearbeitet, aber ich
behielt das im Kopf. Ich kannte nun den Mann, der die Platte zum ersten
Mal spielte. Ich behielt den Namen im Kopf, um es mit ihm noch mal zu
überprüfen. Und drei oder vier Jahre später befragte ich ihn: "Stimmt es,
dass du als erster die Platte gespielt hast?" Er sagte: "Ja, das stimmt".
Im Frühjahr 1997 traf ich ihn wieder und sagte ihm, dass ich mein
"Sun-Years-Buch" veröffentlichen wollte. Ich sagte zu ihm: "Erzähl mir
noch einmal die Geschichte." Ich verabredete mich mit ihm zu einem
Interview. Und es war so, es war auf WREC-Radio, Marion Keisker arbeitete
dort morgens, nachmittags für Sam Phillips. Als die erste Lieferung mit
Platten ankam, nahm sie eine heraus, brachte sie zu ihm und sagte zu ihm,
dass er sie einmal senden sollte. Er spielte die Schallplatte fünf Stunden
bevor Dewey Phillips dies tat. Und es ist eine wirklich lustige
Geschichte, was mit dieser Platte passiert ist.
OS: Nun, da Sie Ihre Trilogie abgeschlossen haben, was sind Ihre
Pläne für die Zukunft?
BB: Im Moment habe ich keine speziellen Pläne. Ganz am Anfang hatte
ich gedacht, ich würde elf Bücher über Elvis schreiben, jetzt sind es
schon zwölf geworden. Wenn ich jetzt ein wenig Abstand gewonnen habe,
dann... ich habe noch so viele, wunderschöne, seltene Fotos von Elvis, die
ich im Laufe der Jahre bekommen habe. Sicherlich könnte ich ein
100-seitiges A-4-Foto-Buch herausgeben, nicht nur eins, eine ganze Serie.
Seit ich mit dem "Sun-Years-Buch angefangen habe, habe ich einen Mann
getroffen, der behauptet, 14.000 unveröffentlichte Fotos von Elvis zu
haben, eine Frau 12.000. Das darf man aber nicht glauben, bevor man es
gesehen hat. Sie sagen, dass die Fotos alle gut seien. Nun, niemand hat
nur gute Fotos, aber wenn von 14.000 Fotos 4.000 schlecht sind, bleiben
immer noch 10.000 gute Fotos übrig. Das ist noch ein Mann aus Memphis, der
hat 600 Bilder nur von Elvis in und um Graceland über einen Zeitraum von
14 Jahren. Das wären schon vier Bände eines Fotobuches. Wenn ich noch
weiter etwas mache, dann vielleicht ein Fotobuch, anstatt noch ein Buch zu
schreiben. Ich habe noch zwei oder drei Ideen über ein Elvis-Buch, aber
ich weiß nicht, ob ich das jemals realisieren werde. Es wird ein nächstes
Buch geben, aber es wird nicht über Elvis sein, es wird ein Buch über mich
sein. Und es wird keine Biografie, eher eine Sammlung der witzigsten
Geschichten als Journalist. Ich habe schon das Cover dafür und die 39
Geschichten mit vielen sehr berühmten Persönlichkeiten.
OS: Vielen Dank Mr. Burk für dieses Gespräch.
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