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I Got A Woman - Long Tall
Sally - Don't Cry Daddy - Hound Dog - Love Me Tender - Kentucky Rain - Let It Be
Me - I Can't Stop Loving You - Walk A Mile In My Shoes - In The Ghetto -
Sweet Caroline - Polk Salad Annie - Introductions - Suspicious Minds -
Can't Help Falling In Love - Release Me - See See Rider - Proud Mary - The
Wonder Of You - Release Me - See See Rider - The Wonder Of You POLK
SALAD ANNIE

Die neueste Scheibe aus dem Hause FTD bringt uns - wie es nicht nur der
Untertitel bereits ankündigt - Aufnahmen aus dem Februar 1970 aus Las Vegas.
Den Schwerpunkt der CD bietet dabei die beinahe komplette Midnight Show vom 15.
Februar 1970 und damit stellt diese Veröffentlichung gleichzeitig ein Novum
dar: Es ist das erste Mal, dass man von offizieller Seite ein fast komplettes
Elvis-Konzert aus dem Vegas-Engagement aus dem Januar/Februar 1970 veröffentlicht.
Das Ganze hat man aufgefüllt mit diversen Bonustracks. Dabei handelt es sich um
Songs aus anderen Shows zwischen dem 17. und 19. Februar 1970 sowie um drei Bühnenproben,
sogenannte Stage Rehearsals, aus den Nachmittagsstunden des 18. Februars. Doch
der Reihe nach ...
Die CD startet mit I Got A Woman und liefert uns leider nur eine unvollständige
Version dieses Songs. Das ist deshalb bedauerlich, weil es ist sich hier um eine
sehr starke Version handelt, welche sich hier im Februar 1970 noch sehr von den
Versionen in den folgenden Jahren unterscheidet, noch nicht mit "Amen"
gekoppelt ist und durch Elvis' rauhe 1970er Stimme einfach viel besser zur
Geltung kommt. Die einzige weitere Version von "I Got A Woman" aus dem
Januar/Februar'70-Engagement in Vegas (sieht man mal von diversen verrauschten
Publikumsmitschnitten ab) finden wir auf der Import cd TRUE LOVE TRAVELS ON A
GRAVEL ROAD (Closing Show vom 23. Feb. 197) und selbst jene hat am Anfang einen
kleinen Schnitt. "I Got A Woman" selbst läuft auf der POLK SALAD
ANNIE 1:07 Minuten und vergleicht man das mit den Versionen aus den
Publikumsmitschnitten, so fehlen auf der FTD cd fast genau die ersten 60
Sekunden. Die Erklärung für den fehlenden ersten Teil des Songs sowie den
ebenfalls nicht vorhandenen Opener "All Shook Up" ist auf dem Cover
des Digipacks nachzulesen: Also the recording information provided by Felton
Jarvis suggests "All Shook Up" was recorded, it's not on the tapes.
There is no complete version of "I Got A Woman". In den Archiven von
BMG und FTD besitzt man also weder eine Version von "All Shook Up"
noch eine komplette Aufnahme von "I Got A Woman" aus dem Februar 1970.
Bereits während dieses ersten Tracks der CD bemerkt man, dass man hier eine
qualitativ exzellente Aufnahme vorliegen hat, die den zweifelhaften Charme der
Soundboard-Recordings aus dieser Zeit weit, weit hinter sich lässt. Bob
Lannings Schlagzeug, welches bei "I Got A Woman" auf der TRUE LOVE
TRAVELS ... furchtbar hallig irgendwo im Hintergrund zu hören ist, ist hier
absolut präsent und treibt den Song voran. Die Sweet Inspirations tragen mit
ihrer Background-Unterstützung ein übriges bei.
Es folgt Long Tall Sally, d.h. erst einmal folgen anderthalb kurze Fehlstarts
dieser Nummer. Elvis schmunzelt kurz, lacht ein "do it again" in die
Richtung von James Burton, immitiert ein kurzes Schnarchen und man bemerkt nicht
nur sehr schnell die gute Laune, in der sich der Meister ganz offensichtlich
befindet, sondern auch, dass Elvis' Stimme schön natürlich im Vordergrund
steht, ohne mit diesem entsetzlichen Reverb zugekleistert zu sein, wie wir es kürzlich
noch auf der FTD-Fassung der RECORDED LIVE ON STAGE IN MEMPHIS wiederfanden. Ist
es hier bei "Long Tall Sally" am Anfang noch Glen D. Hardin, der mit
seinen Pianoläufen dem Song den richtigen Drive verpasst, so schaltet sich spätestens
mit dem Solo im Mittelteil James Burton energischer ein und im zweiten Teil des
Songs liefern sich James und Glen eine wahre Schlacht, und Elvis rockt
mittendrin in wildem Tempo: Have some fun tonight ... everything's all right ...
Anschließend begrüßt Elvis das Publikum "Good Evening, Ladies and
Gentlemen - Welcome to the Flamingo! I just work here, man. I don't know.. . .
boy, they are loose tonight!" Selbstverständlich befindet man sich an
diesem Abend nicht im Flamingo, sondern im International Hotel, aber das soll
garantiert nicht der letzte von Elvis' Späßen an diesem Abend gewesen sein.
Dann scherzt offensichtlich sehr intensiv mit ein paar kreischenden jungen Damen
am Bühnenrand, bringt die Situation aber wieder unter Kontrolle, indem er seine
neue Platte ankündigt, korrigiert sich aber schnell noch, dass es eigentlich
doch eine alte sei, denn schließlich sei sie schon einen guten Monat "draußen".
Es folgt Don't Cry Daddy. Der Vortrag ist sicherlich gut, aber irgendwie nicht
so intensiv wie andere Versionen und den Hörer beschleicht das Gefühl, Elvis
ist hier weniger mit dem Herzen bei der Sache als bei jenen beiden Versionen von
"Don't Cry Daddy", welche man von der 1999er Auflage des ON STAGE
Albums (17. Feb 1970 M/S) oder der LP GREATEST HITS VOL. 1 (18. Feb 1970 D/S)
kennt.
Im Anschluss an diese knapp zweieinhalbminütige Version erzählt Elvis dem
Publikum, dass er an diesem Abend vorhat, seine alten Songs zu spielen, die er
vor nunmehr schon ca. 35 bis 40 Jahre aufnahm (... when I was a baby ... a
little bitty kid with little bitty side-burns ...) und dass er damals bei Ed
Sullivan auftrat und dieser noch über ihn meinte "hmmm ... son of a bitch".
Damals - so setzt Elvis wortreich die Geschichte fort - sang er auch einen Song
und man bemerkt bereits unschwer an ein paar in den Saal geschrieenen Passagen,
bevor der Song überhaupt startet, dass gleich Hound Dog folgen wird. Mit einem
weiteren heftigen Schrei geht's dann endlich los und Elvis singt hier überraschenderweise
noch die "they said you were high-classed"-Strophe, welche er später
in den Live-Versionen regelmäßig unter den Tisch fallen ließ. Bereits in der
mehr oder minder bekannten Aufnahme aus der Closing Show dieses Engagements ist
diese Strophe schon nicht mehr dabei und Elvis beschränkt sich auf das
Wiederholen der "you ain't nothing but a hound dog"-Zeile. Nach knapp
unter anderthalb Minuten ist dann "Hound Dog" vorüber, in der
wiederum James Burton im Soloteil zu glänzen weiß. Die beschriebene "high-classed"-Strophe
macht diese Version zu einer kleinen Rarität - nicht nur für den Sammler von
Live-Material.
Elvis leitet nun mit den Worten, dass er im Jahre 1926 einen Spielfilm drehte,
zu Love Me Tender über, bei welchem er wiederum - nicht ganz unabsichtlich -
einen Fehlstart produziert. Elvis lacht jede Menge während dieser Performance,
ändert den Text in "face turn blue" und küsst die Damen am Bühnenrand.
Was nun folgt, ist die damals aktuelle Single Kentucky Rain, welche Elvis
mit den Worten "I have a new record, it just came out last week or so - I
hope you like it". Elvis singt hier im ersten Teil sehr ähnlich zu der
bekannten Live-Version (17.2.70 M/S) vom "ge-upgradeten" Re-Releases
des ON STAGE Albums (eine weitere Version gab es auf der Box ELVIS ARON PRESLEY
aus der Dinner Show vom 16.2.70). Im der zweiten Hälfte geht dann aber
irgendwann - nachdem er aus dem "old grey bearded man" einen "old
grey bearded fool" gemacht hat - die Ernsthaftigkeit des Vortrages beinahe
völlig stiften und fortan singt sich Elvis halb, halb lacht er sich durch den
Song. Erst das Finale des Liedes sitzt dann wieder.
Bevor es anschließend mit der nächsten Nummer, Let It Be Me, weitergehen kann,
gibt's erst einmal anderthalb Minuten Small Talk und jede Menge Küsse für die
Damenwelt. Diese anderthalb Minuten enthalten am Anfang auch jenen sogenannten
"valentine girl"-Dialog, welcher damals die rare Version von "Let
It Be Me" einleitete, welche es jahrelang von offizieller Seite nur auf der
LP A LEGENDARY PERFORMER VOL. 3 gab. Hier ist der komplette Dialog mit der
bereits erwähnten Interaktion mit dem Publikum wesentlich länger. Nach jeder
Menge Small Talk folgt dann endlich "Let It Be Me". Was für eine schöne
Ballade! Der Song hier in der Version von Elvis ist immer wieder ein Genuss und
der King arbeitet sich seriös durch den Vortrag ohne die kleinen Veralberungen
aus den Nummern kurz zuvor. Am Anfang des Songs, während des Intros, hört man
noch jemanden (Elvis off-mike??) "all right" rufen, was auf der
genannten LP-Aufnahme nicht zu hören ist. Ich gehe aber davon aus, dass es bei
der damaligen Abmischung nur entfernt wurde, denn es handelt sich hier ziemlich
eindeutig - wie schon erwähnt - um die selbe Version, wie sie Ende der 70er
Jahre auf der LP A LEGNDARY PERFORMER 3 veröffentlicht wurde. Zum Finale hört
man Elvis noch mit "sing it Myrna" seinen Background anfeuern, und
dann zu guter letzt ertönt Elvis' Aufforderung "take it home" und die
Nummer ist beendet.
Beinahe nahtlos schließt sich I Can't Stop Loving You. Ein sehr energischer
Vortrag, der vor allem durch Bob Lannings Schlagzeug und die Bläser-Sektion den
nötigen Schwung verliehen bekommt. Elvis ist - das ist unschwer zu hören -
voll bei der Sache, packt hier allerdings noch nicht das fulminante Ende aus,
welches wir aus der Aloha-Show kennen, sondern erinnert noch stark - wie könnte
es anders ein, denn es ist schließlich erst ein halbes Jahr her - an die
Versionen aus dem August 1969.
Ein weiterer nahtloser Übergang und Elvis setzt die Show mit dem
Joe-South-Klassiker Walk A Mile In My Shoes fort. Viel gibt es zu dem Vortrag
eigentlich nicht mehr zu sagen, außer: Hey, der rockt wie immer hart. Das
letzte "acuse" verschluckt Elvis ein wenig und dann baut Burtons
Gitarre bereits die Brücke zum wohlbekannten zweiten Song dieses Quasi-Medleys
...
... die Gitarrenläufe werden etwas ruhiger und mit "as the snow
flies" leitet Elvis seinen großen Hit aus 1969 In The Ghetto ein. Auch
dieser Vortrag ist wiederum ernsthaft und geht fast passabel durch. Ganz am Ende
hört man Elvis (wegen irgendetwas) mal kurz auflachen. Das war's dann für
"In The Ghetto", welches Elvis nur im Sommer 1969 und hier in diesem
Februar des Jahres 1970 regelmäßig im Programm hatte. Danach tauchte
"Ghetto" nur noch sporadisch auf und war nach 1970 schon eine absolute
Rarität, wenn er es während einer Show mal wieder auspackte.
"There is a guy put out a record last year ... and ... that's it", das
ist alles, was Elvis sagt, um zum nächsten Song überzuleiten und spätestens
als die ersten Takte ertönen und Elvis mit "Where it began ..."
einstimmt, dürfte klar sein, dass es sich bei dem erwähnten guy um keinen
geringeren als Neil Diamond handelt, denn es ist dessen Hit Sweet Caroline, mit
dem Elvis hier aufwartet. Und falls man die ersten 30 Sekunden noch den Eindruck
hat, dass es eine solide und ernsthafte Version wird, so wird man spätestens an
der Stelle "the spring became to summer", welche Elvis in "spring
became to mattress" umtextet eines besseren belehrt. Elvis muss selbst kurz
lachen, fängt sich aber schnell und singt den Refrain wieder mit viel Intensität.
Doch alle Ernsthaftigkeit ist mit dem Beginn der folgenden Strophe schon wieder
verschwunden und während man Elvis bereits wieder während des Singens lachen hört,
ahnt man bereits, dass es nicht unbedingt seriös weiter gehen wird. Die Bestätigung
folgt auf dem Fusse, als aus "we fill it up with only two" plötzlich
"we fill it up with only three" wird. Manch einer mag nun sagen, dass
diese Albernheiten dem Genuss der einzelnen Lieder einen Abbruch tun, während
sich der nächste darüber freut, dass Elvis diese lustigen, kleinen Passagen
einstreut, da sie eben den Unterschied ausmachen zu den bekannten und oftmals
durchgängig seriösen Versionen. In jedem Fall spiegeln sieaber auch die gute
Laune wieder, die Elvis ganz offensichtlich während jener Zeit mit in den
Konzertsaal brachte. Zum Abschluss von "Sweet Caroline" bestreiten
Elvis und Band noch einmal gemeinsam ein wuchtiges Finale, welchem insbesondere
die Bläsereinwürfe den gewissen Touch geben.
Nahtlos schließt sich die gesprochenen Einleitung "some ya'll never been
down South too much" Tony Joe White's Polk Salad Annie an. Die Unterschiede
zu den anderen Versionen aus dem Februar 1970 sind anfangs eher marginal.
Allerdings scheint Elvis nach gut einer Minute jeden Sinn für einen ernsthaften
Vortrag dieses Rockers langsam aber sicher zu verlieren und verliert sich dann
selbst bei "carry it home in a truck" komplett im Lachen. Während die
Band sich davon wenig beeindrucken lässt und konsequent ihr Spiel fortsetzt, hört
man Elvis immer wieder auflachen - warum auch immer. Im Finale liefert sich
Elvis dann mit den Sweet Inspirations jenen bekannte "Fight": Während
letztere ihr "Chic a bon, chic a bon, chic a bon bon bon bon"
durchhalten, arbeitet sich El immer heftiger mit "sock a little polk salad"
und dem sich anschließenden "Chinc, chinc, chinc, chin, ling, ling ling"
zum finalen orchestralen Abschluss der Nummer vor. Anschließend muss Elvis erst
einmal verschnaufen, man hört ihn Wasser trinken und anschließend noch ein
paar Küsse verteilen, was er selbst mit den Worten "it's the best part of
the show, folks" kommentiert.
Mit "before I do anything else ..." leitet Elvis die Introductions ein
und stellt mit "Charlie, I'd like you to meet Jerry" spaßeshalber
erst einmal die Bandmitglieder untereinander vor. Dann geht's ernsthaft mit der
Introduktion der Sweets weiter, welche bereits - so erwähnt Elvis es - die Show
eröffneten. Weiter geht es mit den "beautiful quartet voices" der
Imperials und "my favorite guitar player on piano ... no ... my favorite
guitar player on lead guitar is James Burton". Elvis streut in fast jeden
Satz einen kleinen Gag ein. Und während sich Elvis bereits bis hierher durch
die Bandvorstellung gehüstelt hat, nutzt er den nächsten Huster, um ihn am
Ende des Satzes "the young man on rhythm guitar, he makes records for RCA
Victor, his name is" hinzuzufügen - so als wüsste er den Namen nicht mehr
- und kommentiert dieses Husten dann selbst als "it's a funny name".
Natürlich geht es in Wirklichkeit um John Wilkinson und selbstverständlich
nennt Elvis ihn dann doch noch bei seinem richtigen Namen. Es folgen die
Vorstellungen von Bob Lanning, welcher laut Elvis einen fantastischen Job an den
Drums erledigt, Eddie Graham (Percussions), Jerry "hot fender bass"
Scheff, Glen Hardin , zu welchem Elvis noch bemerkt, dass er einige Songs dieser
Nacht für Elvis arrangiert hat und Charlie Hodge. Das Ganze endet dann mit der
Vorstellung von Bob Morris und seinem Orchester und man ist beinahe ein wenig überrascht,
aber in jedem Fall sehr erfrischt, wie kurz und knackig doch mit weniger als 2½
Minuten in den frühen 70ern noch Elvis' Bandvorstellung ausfiel.
Diese 2½ Minuten haben Elvis auch gelangt, um sich sich für die nächste große
Nummer des Abends zu erholen: Suspicious Minds. Auch hier hört man Elvis hin
und wieder lachen und auch die Zeile "shove it up your nose", welche
man auch aus dem Film "That's The Way It Is" kennt, hört man
Elvis hier singen. Immerhin rockt sich Elvis hier wieder einmal durch eine 5-minütige
Fassung seines großen Hits aus dem Vorjahr..
Noch ein kurzes Lachen von Elvis, ein "you're a fantastic audience",
ein paar Küsse, ein "thank you, you are beautiful" und das ultimative
Can't Help Falling In Love beendet die Show nach knappen 50 Minuten.
An dieser Stelle geht zwar die Midnight Show vom 15. Februar 1970 zu Ende, glücklicherweise
aber nicht die neuen FTD CD selbst, denn es folgen noch sieben Bonus Songs. Bei
den ersten vier handelt es sich um weitere Live-Aufnahmen aus der Zeit von Mitte
Februar 1970.
Der erste dieser Songs ist Release Me. Die Aufnahme, die dieses Mal aus der
Dinner Show des 19. Februars 1970 stammt, startet wiederum mit einem recht
umfangreichen Monolog von Elvis. Elvis sagt zwar den Song an, hält es dann aber
für angebracht, sein Publikum erst einmal über diese neue Nummer im Programm
aufzuklären: "We have to find out what we're doing, cause we don't know
sometimes ...". Tatsächlich ist es erst die dritte Show, in welcher Elvis
"Release Me" zum besten gibt. Am 18.2.70 stand "Release Me"
in den Nachmittagsstunden bei den Stage Rehearsals als einer der zu probenden
Songs auf dem Programm und Elvis hatte es zuvor nur in den beiden Shows des
18.2.70 gesungen. Trotzdem hören wir hier eine sehr feine, durchgehende Version
mit einem druckvoll singenden Elvis.
Die nächste Nummer führt uns in die Mitternachtsshow des 17.02.70. Elvis singt
auch hier eine Nummer, die bei jenen Proben am 18.02.70 auf dem Programm stand:
See See Rider. Im Gegensatz zu dem vorangegangenem "Release Me"
handelt es sich hier aber um eine Show, die bereits einen Tag vor den erwähnten
Proben stattfand. Und genau das bekommt der Hörer dann auch zu erleben: Elvis
arbeitet sich quasi an einen guten Start in diesen Song langsam heran, singt
allerdings erst einmal ein wenig überraschend eine Zeile von "Funny How
Time Slips Away". Es folgen etwa dreieinhalb Fehlstarts. Elvis bringt es
jeweils bis zu "I said See" bricht wieder ab und erzählt
zwischendurch mal, dass man hier wäre, um Songs für ein Live-Album
aufzunehmen. Das Ganze, sowohl diese kleinen Fehlstarts als auch das dann
folgende "See See Rider", wirkt so erfrischend und ungestüm, dass das
Hören unbedingt eine Freude ist. Elvis rockt sich durch den Song und hier im
Februar 1970 ist das Lied nicht nur taufrisch, sondern es versprüht auch diese
besondere Frische und Energie, die später, als es zum beinahe ultimativen
Showopener und damit zur Routine wurde, nicht mehr präsent waren.
"What we gonna do next? Anyhow?", fragt Elvis zum Beginn der nächsten
Performance und fügt erklärend hinzu "it's a new song, I've called it
Anyhow". Selbstverständlich folgt kein mysteriöses Lied mit dem Titel
"Anyhow", sondern eine sagenhaft rockige Version von Proud Mary aus
der Dinner Show vom 19.02.1970. Jerry Scheff spielt einen fabelhaften Bass und
Elvis singt eine sehr raue und wilde Version dieses CCR-Klassikers Der gute,
kristallklare Sound tut sein übriges, so dass diese Version diejenige der ON
STAGE CD sogar noch zu toppen scheint ... aber das ist auch immer eine Frage des
persönlichen Geschmacks.
Der letzte echte Live-Song auf dieser Version ist The Wonder Of You. Es handelt
sich um die Aufnahme aus der Dinner Show vom 18.02.70 und damit um jene Version,
welche bereits vor gut zwei Jahren auf der CD 30 #1 HITS zum ersten Mal veröffentlicht
wurde. Das Ganze ist eine sehr holprige Version, bei welcher Elvis noch nicht
ganz textsicher ist, die aber insofern ganz gut auf diese CD passt, weil sie wie
diverse andere Songs einen Elvis zeigt, der zwar nicht perfekt, aber dennoch
atemberaubend ist.
Als schlussendlich letzter Teil der CD schließt sich sozusagen als dritter Akt
der Teil an, der aus den bereits eingangs erwähnten drei Bühnenproben besteht.
In den Nachmittagsstunden des 18. Februars stand Elvis vor dem Beginn der Dinner
Show bereits auf der Bühne und probte zusammen mit seinen Musikern unter
Ausschluss der Öffentlichkeit und unter Anbetracht des Umstandes, dass RCA im
Begriff stand u.a. Songs für ein neues Live-Album einzuspielen zwei bis dato
brandneue Songs, Release Me und The Wonder Of You, und das bereits wenige Male
im Programm auftauchende See See Rider. Diese drei Fassungen sind dem Elvis-Fan
und Sammler nicht neu, denn sie erschienen bereits 1997 auf der 4-CD-Box
PLATINUM - A LIFE IN MUSIC, aber insofern nicht unpassend auf dieser CD
platziert, da sie eine interessante Abrundung zu den Live-Performances dieser CD
bieten.
FTD ist mit dieser Veröffentlichung zweifelsohne ein Top-Release gelungen. Wenn
man einmal von ein paar Kleinigkeiten, wie einem nicht ganz optimales Cover
(etwas unscharf, farblos und lieblos eingebeteter Live-Shot) und einem kaum
lesbaren Text auf den Coverinnenseiten und der CD selbst (winzige weiße Schrift
auf orangefarbenem Grund) absieht, so reiht sich die neue CD POLK SALAD ANNIE mühelos
in die Glanzlichter aus der FTD Reihe wie MEMPHIS SESSIONS, SILVER SCREEN STEREO
oder NASHVILLE MARATHON ein. Das Live-Material präsentiert einen Elvis, der glänzend
aufgelegt und bestens bei Stimme ist und der Sound ist definitiv das, was man
als Ohrenschmaus bezeichnen darf. Und speziell dieser Sound liefert das, was die
FTD-März-Veröffentlichung RECORDED LIVE ON STAGE IN MEMPHIS leider vermissen
ließ: Kristallklaren Hörgenuss mit einem Elvis bei dem man beim Zuhören
beinahe das Gefühl hat, neben ihm auf der Bühne zu stehen oder mindestens in
vorderster Reihe zu sitzen. Diese CD ist ohne Zweifel ein besonderes Kleinod in
meiner Sammlung und ich zweifle nicht daran, dass es vielen, vielen anderen
Elvis-Fans ebenso ergeht bzw. ergehen wird.
Taniolo
taniolo@ep-tunes.de
2004, August 31
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